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Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten nach Albanien einzureisen. Zum Einen über den Landweg Kroatien und Montenegro, dann mit der Fähre (von Venedig oder Ancona) nach Durres in Mittelalbanien oder von Süden über Griechenland kommend. Wir haben Diesmal die Route Venedig – Igoumenitsa – Albanien gewählt und sind von Griechenland am nördlichsten albanischen Grenzübergang (größere albanische Stadt: Korce) eingereist.

Die Einreise am Grenzübergang Kapshtice verläuft bis auf den kleineren Stau bei der Ausreise aus Griechenland unproblematisch. Der albanische Grenzer verlangt neben unseren Pässen und dem Fahrzeugschein noch die grüne Versicherungskarte und schon sind wir wieder „drin“. Der östliche Teil Albaniens ist geprägt durch bis zu 2.500 m hohe Gebirgszüge und landwirtschaftlich genutzte Täler. Die Gebrigskämme laufen in der Generalrichtung Nord-Süd und sind mit den Auto / Wohnmobil nur an wenigen Stellen ins nächste Tal überquerbar, da viele in der Karte eingezeichnete Straßen (obwohl als Bundes- der Kreisstraßen gekennzeichnete) einen klaren Offroad-Charakter haben.

Unseren ersten Stopp wollen wir offline im Nationalpark Prespa-Seen machen. Dieser umfasst den großen und den kleinen Prespa-See sowie die angrenzenden Gebiete im Dreiländereck von Albanien, Mazedonien und Griechenland, die als grenzüberschreitender Nationalpark geschützt sind. Die Straße von der Grenze Richtung Korce ist gut ausgebaut und so verpassen wir unseren Abzweig und versuchen über die SH 101 zum Ziel zu kommen. Die Straße wird immer enger und nach einer Dorfdurchfahrt verlieren wir etwas die Hoffnung, dass wir hier durchkommen. Das ist das Schöne an unserer Tour:

  • Das Navi ist keine echte Hilfe.
  • Wir müssen lernen, wieder selbstständig unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen und unserem Gefühl zu vertrauen
  • Nicht jede auf der Landkarte eingezeichnete Straße ist für uns befahrbar

Also wieder zurück und den richtigen Abzweig zum Prespa-See (SH ,,,) nehmen. Dieser führt und über den Pass der bis zu 1.700 m hohen Bergkette und dann liegt der große Prespa-See vor uns. Mitten drin die von der Sonne im Abendlicht beschienene Insel Maligrad – einfach schön (Foto s.o.).

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Jetzt gilt es nur noch einen ruhigen Stellplatz in Seenähe zu finden und schon ist alles i.O. Mit etwas Suchen finden wir einen Abzweig von der Hauptstraße zum See hinunter und später auch einen Uferplatz mit Wiesenuntergrund zum Übernachten. Leider liegt auch hier – wie in Albanien öfter – Müll herum, teilweise von Wind hergetragen, teilweise einfach liegengelassen.

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Wir sitzen bei aufkommendem Wind noch länger draußen und genießen den ersten Abend. In der Nach kommt Regen auf, wir schließen das Dachfenster und prüfen zur Sicherheit den Boden, ob dieser nicht zu sehr aufgeweicht wird. Zum Glück scheint dieser feste Sandboden den Regen schnell abzuleiten, so dass der Untergrund nicht zu schlammig wird.

Am nächsten Morgen sieht es so aus, als ob der nächtliche Regen vorbei ist und wir können wieder draußen frühstücken. Dabei bekommen wir einen etwas quengeligen Besuch – ein Hund versucht mit allerlei Gesten – vom „Hundeblick“ und sich auf den Rückendrehen bis hin zum Anstupsen mit der Nase – etwas abzubekommen.
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Zurück geht es wieder durch das Dorf Liqenas, das durch die in der Region lebende mazedonische Minderheit bewohnt wird.

Da wir beruflich bedingt unseren Urlaub leider um eine Woche kürzen mussten, fällt den damit notwendigen Kürzungen unsere Tour durch das Stausee gefährdete Devoll-Tal von Maliq über Gramsh bis nach Berat nach zum Opfer und wir entscheiden uns als nächstes Ziel in der Schlucht von Kelcyre eine osmanische Bogenbrücke anzusteuern, bei der auch 250 warm Quellen sprudeln. Plan ist es, die nächste Nacht auf dem einzigen größeren Campground Soitira zu verbringen, nicht zuletzt um auch die Ver- und Entsorgung vornehmen zu können.

Wir starten, kommen gut wieder auf die befestigte Straße und fahren wieder aus dem Siedlungsgebiet der mazedonisch sprachigen Minderheit Albaniens hinaus zur regionalen Metropole Korce.

In Korce wollen wir unsere Vorräte auffüllen und ein paar Eindrücke mitnehmen. Sehenswert erscheint uns das alte Basarviertel mit dem Markt und den alten Karavansereien. Gerne hätten wir eine, die Hani Elbasani, besichtigt, aber leider wird diese gerade renoviert. Der Obst- und Gemüsemarkt ist zum Glück noch sehr ursprünglich und wir erhalten durch einen freundlichen Albaner eine Privatführung. Wir kaufen Feta ähnlichen Ziegenkäse, Pflaumen, Einer und unglaublich intensiv schmeckende Paprika. Auch Brot und Milch finden wir mit etwas Suchen. Etwas schade ist die uniforme Sanierung des alten Marktes in einer architektonischen Mischung aus relativ uniformen Cafe´s und Fußgängerzone.

Über die SH3 und später die SH75 geht es weiter Richtung Erseke und Leskovik. Hinter Erseke erreichen wir noch den Campground Soitira (N40012’51,4“ ,E20038’46,6“), entschließen uns aber nach einem Espresso doch zur Weiterfahrt. Mit viele Engagement haben die Besitzer eine schönen Platz mit Teichen und Brücken, frei laufenden Gänsen und Enten sowie einem kleinen Restaurant und sauberen Toiletten aufgebaut. Leider bietet der Platz keine Möglichkeit zur Entsorgung, was für uns einen entscheidenden Nachteil bedeutet. Aus diesem Grund und das es wieder verstärkt angefangen hat zu regnen, entschließen wir uns heute noch bis zur Schlucht von Kelcyre zu fahren. Jetzt  müssen wir uns etwas beeilen, da wir nicht auf albanischen Nebenstraßen im Dunkeln unterwegs sein wollen.

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Wir folgen der SH75 weiter bis Leskovik, das wir schnell erreichen. Die nächsten 16 km bis Carshove haben es dafür in sich. Die Straße führt landschaftlich spektakulär durch eine Schlucht, wobei die Straße selbst Feldwegcharakter annimmt. Tiefe Schlaglöcher und Schotterpassagen reihen sich aneinander und rechts hat man zumeist den leitplankenfreien Blick in die Schlucht. So wird das Ausweichen bei Gegenverkehrt zum kleinen Adrenalinkick.

Bei Carshove können wir wieder auf die sich in relativ gutem Zustand befindende SH80 Richtung Permet wechseln und erreichen doch noch kurz vor Sonnenuntergang unseren Stellplatz vor der Schlucht (Abzweig bei Petran und dann ca. 6 km).

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Der Stellplatz liegt in Sichtweite der Brücke und die letzten Tagesgäste fahren gerade ab. Mit uns übernachten hier zwei Franzosen in einem alten umgebauten T3. Wir nutzen die Sitzgelegenheiten am Ufer für unser Abendessen und genießen den hier erstaunlich warmen Abend, nachdem es während unserer regnerischen Fahrt tagsüber teilweise nur 150 C hatte.

Der nächste Morgen erwartet uns mit Sonnenschein und klarem Himmel. An den Berghängen der gegenüberliegenden Seite verziehen sich die letzten Wolken und wir nutzen die Gelegenheit; Brücke und die warmen Quellen ganz für uns allein zu haben. Im Gegensatz zu den italienischen Schwefelquellen bei Saturnia ist hier der Schwefelgehalt nicht so hoch, was sich angenehm auf den sonst strengen Geruch auswirkt.

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Als gegen 9:00 Uhr die ersten albanische Sonntagstouristen und ein Reisebus auftauchen, ist es für uns Zeit, weiterzufahren.