Barolo und Alba – zwei Städte, die wie kaum andere in Italien für Rotwein und Trüffel stehen, haben uns schon seit langem gereizt. Da wir gerade aus dem westlichen Teil der ligurischen Küste zurück nach München kommen, bietet es sich an endlich die Gelegenheit zu nutzen.

Nachdem wir die Seealpen und damit Ligurien über den Colle di Nava (SS28) ins Piemont verlassen haben, erstreckt sich eine flache Landschaft mit wenigen Hügeln vor uns. Dieses Bild ändert sich erst, als wir endlich das Langhe, das neben dem Roero die eines der beiden Kerngebiete des Barolo ist, erreichen. Produziert werden hier neben dem Barolo auch Barbera und Barbaresco sowie Chardonnay und Arneis als Weißweine.

Zunächst steuern wir Barolo selbst an. Barolo hat einen schön renovierten Altstadtkern , der uns allerdings zu kulissenhaft wirkt. Es weniger das Städtchen, in dem man ein normales Leben führt, sondern eher ein kleines Disneyland für Weinliebhaber. Wir fühlen uns stark an die Weinorte des Elasass erinnert. So laufen wir durch den Ort, die Weinlese hat gerade begonnen, ein Traktor zieht seinen mit Trauben gefüllten Hänger auf die Waage und alle vorbeikommenden Touristen fotografieren fleißig.

Unser Etappenziel ist heute aber nicht die Stadt Barolo sondern das Weingut Azienda Agricola Mauro Molino (Frazione Annunziata Gancia 111A, 12064 La Morra (CN), info@mauromolino.com ). Schön auf einem Hügel gelegen erwartet uns eine moderne Kellerei mit professionellem Verkostungsservice. Wir entscheiden uns für einen 2016er Barbera aus dem Langhe und einen 2007er Chardonnay, der fast in Richtung gut ausgebauter Gewürztraminer, jedoch mit weniger Restsüße, geht. Leider ist hier der Arneis bereits ausverkauft. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals für die Geduld und die guten Hintergrundinformationen zu den verkosteten Weinen bedanken.

  

Nach der Verkostung erkundigen wir uns direkt nach einem Offline-Stellplatz für die Nacht und erhalten den Tipp, dass sich direkt unterhalb des Weingutes eine alte Klosteranlage Cascina del Monaster (Grasso Giuseppe, Frazione Annunziata 112/A, 12064 La Morra) die jetzt zu einen Agriturismo umgebaut wurde, befindet. So fahren wir schnell hinunter, fragen an der Rezeption, die bereits durch die nette Dame des Weingutes informiert wurde und bekommen einen Stellplatz direkt im Weinberg.

  

  

Hier erkundigen wir uns auch nach einem guten Restaurant und erhalten das Le Torri (Piazza Vittorio Veneto, 10, 12060 Castiglione Falletto CN, www.ristoranteletorri.it ) , als Empfehlung. Perfekter Blick über die Weinberge und ausgezeichnetes Essen, darauf haben wir jetzt richtig Lust. Es sein kein Problem das Restaurant mit den Rädern zu erreichen (wir wollen ja schließlich auch etwas Wein zum Essen nehmen), versichert uns die nette Besitzerin. „Die ersten 300m nach der Landstraße seien etwas steil aber danach nur noch normales „auf und ab“! Wir ziehen uns kurz um (wollen schließlich im besseren Restaurant nicht in Bermuda und T-Shirt auflaufen), steigen auf die Räder und fahren los. Den Abzweig zum Dorf, in dem das Restaurant liegen soll, finden wir leicht. Die kurze Steigung von 300 m entpuppt sich als 500 m mit 20%; danach wird es wieder „normal“ mit nur noch 10-14% Steigung. Nach fast 300 Höhenmeter bei noch immer deutlich über 250C kommen wir hechelnd und völlig verschwitzt am Restaurant an. Dies liegt natürlich direkt neben einer kleinen Burg am höchsten Punkt der Umgebung. So gehen wir dann möglichst unauffällig zu unserem reservierten Tisch und wischen möglichst unauffällig den Schweiß aus unseren Gesichtern.

Die Aussicht ist wirklich spektakulär und wir bereuen es nicht noch vor der Dämmerung hier oben zu sitzen. Das 5-Gänge Menü mit Weinbegleitung passt auch und wir lassen auf dem Rückweg die Bremsen unserer Bikes „glühen“.

  

 

Der nächste Tag startet mit einem Blick aus unserem Wohnmobil direkt in die Weinberge – fantastisch. Also Stühle raus, Morgenespresso auf den Tisch und der Tag kann beginnen.

Zunächst steht Alba, die Hauptstadt des weißen Trüffels an. Nachdem wir uns durch das kleinindustrielle Umfeld ins Zentrum gearbeitet haben, finden wir direkt am Altstadteingang einen guten Parkplatz. Alba selbst ist eine sehr lebendige Kleinstadt mit historischem Kern. Wir setzen uns in eins der vielen Cafes und ordern an der Bar schnell jeweils zwei Espressi und Brioches. Die Trüffelsaison wird ab Anfang Oktober bis Mitte November starten, dann ist hier sicher alles geboten. Vom Trüffelmarkt, auf dem Händler und private Sucher Ihre weißen (und schwarzen) Trüffel verkaufen bis zu den vielen Restaurants, die entsprechende Herbstgerichte anbieten.

  

Wir verlassen Alba um noch schnell ein zweites Weingut Sociéta Agricola Spinetta (Via Annunziata 17, 14054 Castagnole dell Lanze, www.la-spinetta.com ) zu besuchen. Dies liegt ca 20 km östlich von Alba, also fast direkt auf unserer Route zurück.

 

Auch hier wieder ein modernes Weingut mit professionellem flexiblem Service. Wir erhalten sofort die Möglichkeit zur Verkostung, wobei ich mich als Fahrer natürlich stark zurückhalte. Tolle Auswahl in verschiedenen Preisklassen beginnend mit 16,00 € / Flasche für einen extrem guten 2014er Barbera, den wir gestern bereits im Restaurant zum Menü getrunken haben. Großer Vorteil: Es gibt von diesem Wein auch in 0,375 l Flaschen! Leider ist auch hier der Arneis bereits ausverkauft aber zum Abschluss gönnen wir uns noch ein besonderes Mitbringsel: einen 2015er Chardonnay wie wir noch keinen bisher getrunken haben. Nicht ganz billig, aber sein Geld einfach wert.

Nun geht es leider wieder zurück Richtung München. Wir übernachten ein letztes Mal in Bardolino. Was für ein Unterschied! Auf der einen Seite das jetzt Ende September ruhige Barolo und auf der anderen Seite das übertouristische Bardolino mit seinen Nachbarstädten Garda und Malchesine. Der Unterschied könnte nicht größer sein. Wir füllen im IperStore in Affi noch unsere Vorräte für zu Hause auf und finden dann in Bardolino einen guten Stellplatz (Parkdeck an der Gardasee-Orientale am Restaurant Spiller 45 32´ 47“ N; 10 43´ 29“ E, 9,00 €/24h).

 

Entsorgungsmöglichkeite direkt an den Raststätten der A22 (Brennerautobahn)